Mehr Sensibilität beim Umgang mit schutzwürdigen Bäumen und Feldgehölzen

Eine interessierte Schar Bürgerinnen und Bürger war der Einladung der Usinger Grünen zum Stadtspaziergang gefolgt. Die Spitzenkandidatin Ellen Enslin freute sich über die gute Resonanz und wies noch einmal auf den Anlass, den Kahlschlag am Neuen Marktplatz hin. Bewusst sei der Platz vor der Hugenottenkirche als Treffpunkt gewählt worden, denn in der Vergangenheit seien viele Grünflächen mit Bäumen in der Stadt verschwunden, so wie hier. Oft wird argumentiert, dass Bäume gefällt werden müssen, da sie krank sind. Der Landschaftsökologin Dr. Katrin Jurisch, die auf Einladung der Grünen die Gruppe begleitete, fiel sofort die extreme Versiegelung des Platzes auf. „Breitere Fugen wären deutlich besser, damit das Regenwasser gut versickern kann. Dass alte Bäume aus „Sicherheitsgründen“ gefällt werden, kommt leider viel zu oft vor. Durch kontinuierliche Beobachtung und frühzeitige fachgerechte Baumpflege kann dem allerdings entgegen gewirkt werden,“ gab sie zu bedenken. Dass der Platz jetzt besonders gut für Veranstaltungen geeignet ist, wurde allerdings von den Besuchern bezweifelt. Gerade an heißen Sommertagen fehlen die Bäume als wertvoller Schattenspender, wie Besucher aus eigener Erfahrung beim Stadtfest feststellten.
Dr. Jurisch machte noch einmal auf den besonderen Wert von Bäumen und Feldgehölzen in der Stadt aufmerksam. Sie haben eine besondere Funktion in der Stadtökologie, denn sie sind Feinstaubfilter, binden schädliche CO2-Emissionen, bieten in heißer Sommerhitze Schatten und Kühle und regeln den Wasserhaushalt.
Dann ging es zum Neuen Marktplatz und heftige Kritik entbrannte in der Gruppe, ob denn alle Bäume gefällt werden mussten. Die Grünen hatten die Planung als einzige Fraktion im Stadtparlament als wenig ökologisch und zukunftsweisend abgelehnt. Der Blick in den Plan zeigte, nur noch auf zwei Arealen sind Erhalt und Entwicklung der Vegetation (Bäume und Feldgehölze) durch den Bebauungsplan gesichert. Gerade weil insgesamt mehr als 100 Bäume gefällt werden durften, unterlagen diese Areale einem besonderen Schutz. Die Fällung der Bäume mit dem Feldgehölz ist deshalb besonders bedauerlich.
„Natürlich wissen wir auch, dass es schwer sein wird, einen entsprechenden Ausgleich dafür vor Ort zu schaffen, aber es sollte versucht werden. Mangelnde Sensibilität nach dem Motto: Auf einen Baum mehr oder weniger gefällt kommt es nicht an, darf nicht auch noch belohnt und nachträglich genehmigt werden. So war die Forderung eins zu eins und vor Ort zu verstehen,“ stellte Ellen Enslin klar. Der Investor sollte nicht aus der Verantwortung entlassen werden, die Aspekte Feinstaub, CO2-Bindung, Verschattung und Wasserhaushalt für das Gebiet Neuer Marktplatz berücksichtigen zu müssen.
An der Bachaue Stockheimer Bach musste ernüchternd festgestellt werden, dass eine nachträgliche Genehmigung die beträchtlichen Fällungen legitimierte. Durch die bestehende Bebauung vom Lidl bis dicht an das Ufer und die geplante Bebauung auf der anderen Seite ebenfalls dicht an das Ufergelände wird ein dunkles, schattiges Schlauchgelände entstehen. Dass hier eine langfristige ökologische Aufwertung gewonnen werden kann, ist doch sehr fraglich.
Auch die Planung, eventuell das Riedborngelände und den Neuen Marktplatz mit einer Autobrücke zu verbinden, führte zu heftigen Diskussionen in der Gruppe. Dies würde die Bachaue vom Stockheimer Bach, auch als Kalt- und Frischluftschneise, zusätzlich gefährden und weitere Bäume müssten gefällt werden, so das Fazit.
Ellen Enslin versprach zum Ende, dass sich die Grünen weiterhin engagiert für mehr Grün in der Stadt einsetzen werden und die Umsetzung des Bebauungsplanes weiter im Blick zu behalten. Sie wünschte sich für die Zukunft grundsätzlich mehr Sensibilität beim Umgang mit Vorgaben von Grünordnungsplänen.

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