B-Plan „Am Weiher“ Merzhausen

2024 war das heißeste Jahr seit Beginn der Temperatur-aufzeichnungen. Um das 1,5 Grad-Ziel der Klimaerwärmung zu erreichen, müssen die Klimaschutzbemühungen verstärkt werden. Sonst steuern wir auf 2,7 Grad zu!

Dazu kommt, dass in den letzten 50 Jahren durchschnittlich 73 Prozent der Bestände von Säugetieren, Amphibien, Vögeln und Fischen dramatisch abgenommen haben.

Deshalb sind Klimawandel und der Artenschwund die größten Herausforderungen, die in der städtebaulichen Entwicklung zu berücksichtigen sind. Denn ob gebaut wird oder nicht, das hat Auswirkungen auf die Handlungsspielräume zukünftiger Generationen. Deshalb müssen wir die Planung und Umsetzung von Baugebieten zukunftsgerecht und enkeltauglich machen. Ziel muss es sein, auch auf lokaler Ebene einen Beitrag zum globalen Klimaschutz und gegen das Artensterben zu leisten.

Letztes Jahr hat sich Usingen mit seinem Klimaschutzkonzept einstimmig das Ziel gegeben, bis 2045 eine klimaneutrale Stadt zu werden! Daran muss das neue Baugebiet gemessen und nachhaltig entwickelt werden.

Langfristige ökologische Belastungen müssen die nächsten Generationen teuer bezahlen.

Auf den rund 2,3 ha sollen 16 freistehende Einfamilienhäuser, bis zu 6 Doppel- und 4 Reihenhäuser und 2 Mehrfamilienhäuser.

Uns wurde im Juni 2023 das Baugebiet als „Plus-Energie-Siedlung Merzhausen“ vorgestellt. Ziel sollte sein, das bilanziell mehr lokale Energie aus erneuerbaren Energien produziert wird, als die Bewohner*innen in der Siedlung verbrauchen.

Im Abwägungsprozess zum B-Plan sind etliche Kritikpunkte, von Bürger*Innen und Beteiligten vorgebracht worden. Lassen Sie mich auf die wichtigsten eingehen.

1. Thema PV-Anlagen
Zu Recht wird eine Nachbesserung bezüglich der erneuerbaren Energien auf den Dachflächen gefordert. Nur 25% Solarmindestfläche auf den Dächern baulicher Anlagen ist nicht ausreichend und fällt weit hinter dem ursprünglichen Energie-Plus-Konzept zurück. 75 % wurden dort für die Ein- und Mehrfamilienhäuser vorgeschlagen.

Mit dem Argument vermeintlicher Kosteneinsparungen haben dann CDU/SPD die Solarmindestfläche von 40% im Entwurf auf nunmehr 25% geschrumpft. Das ist viel zu wenig und weit entfernt von einer Plus-Energie-Siedlung.

Außerdem widerspricht das auch der Klimaschutzmaßnahme „nachhaltige Stadtentwicklung“ aus dem Klimaschutzkonzept. Das haben wir einstimmig hier verabschiedet. Sollen doch die Nutzung erneuerbarer Energien und ein hoher Energiestandard bei notwendigen Neubauten den großen Anteil des Wohnbestandes teilweise energetisch kompensieren.

So schafft Usingen bis 2045 die Klimaneutralität nicht!

Niedrige Kosten für kleine PV-Anlagen, das sind falsche Versprechen und ist zu kurz gedacht. Der angebliche Kostenfaktor größerer PV-Anlagen zeugt von Unwissenheit über die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

Selbst in ungünstigen Fällen amortisiert sich eine PV-Anlage in knapp 15 Jahren. In guten Fällen sogar in weniger als 10 Jahren. Experten empfehlen deshalb: je größer desto besser! Eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin kam zu dem Ergebnis, dass es am wirtschaftlichsten ist, die Dachfläche maximal auszunutzen!

Auch die Kombination Photovoltaik mit Wärmepumpe zahlt sich aus!

Ganz aktuell beweist eine neue Rechnung der RWTH Aachen, dass die Wärmepumpe die Gasheizung schlägt. Wenn ab 2027 noch die stark steigende Besteuerung des CO2-Ausstoßes für fossile Brennstoffe dazu kommt, zwischen 220€ bis
300 € pro CO2 t müssen eingepreist werden, fällt die Rechnung noch besser aus.

Wärmepumpe und Photovoltaik sind eine zukunftssichere Lösung, die ökologische und ökonomische Vorteile bieten:

  • Energieverbrauch und CO₂-Emissionen werden gesenkt
  • Energiekosten werden reduziert
  • Energiekosten sind planbar
  • Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen

Ein wichtiger Schritt, die Energiewende hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung zu unterstützten!

Daneben haben Hauseigentümer*innen noch die Möglichkeit, über Dritte das Dach belegen zu lassen und mit Ökostrom das Haus zu versorgen.

Es wird unterschätzt, wie schnell sich Energielösungen mit Wärmepumpen, PV-Analgen und Speicher finanziell rechnen.

2. Flächensparende Planung
Eine flächensparende Planung bedeutet kompakte und mehrgeschossige Baukörper. Nur zwei Mehrfamilienhäuser sind dafür zu wenig!

Auch die niedrige Zahl von 27 WE pro ha geht mit der wertvollen Ressource Boden nicht sparsam um. Sind doch Dichtevorgaben von 25-40 WE für den ländlichen Raum vorgesehen. Dies ist keine effiziente Nutzung des Bodens und leistet der Zersiedelung weiteren Vorschub.

Durch die Inanspruchnahme immer neuer Flächen und die Zerstörung von Böden, werden die begrenzten Landwirtschaftsflächen und fruchtbaren Böden stetig vernichtet. Durch dieses Baugebiet werden 2,3 ha wertvolle landwirtschafte Flächen auf Dauer verloren gehen.

Leider wird immer wieder die wichtige Funktion des Bodens unterschätzt. Aber Boden ist nicht nur Flächen-Verfügungsmasse, sondern er stellt für Mensch und Natur eine wichtige Lebensgrundlage dar.

  • Er ist Speicherraum für Niederschlagswasser und wirkt als Regulator des Wasserhaushaltes.
  • Er bildet ein wirkungsvolles Filter- und Reinigungssystem und schützt dadurch das Grundwasser.
  • Er ist Standort und Lebensraum für Vegetation und Tierwelt.
  • Er ermöglicht den Anbau von Nahrungsmitteln.

Das wird oft vergessen!

  • Die Grundwasserqualität verschlechtert sich insgesamt durch die fehlende Bodenfilterung.
  • Versiegelte Bodenflächen gehen als Standort für Pflanzen, die Lebensgrundlage für Mensch und Tier darstellen, verloren.

3. Minimierung Eingriffe in Natur und Landschaft
Wenn auf der grünen Wiese gebaut wird, müssen die Eingriffe in Natur und Landschaft ausgeglichen werden. Hier geht es um den Verlust von über 2 ha Lebensraum für besonders geschützte Arten wie Schlüsselblume, Waldeidechse und Erdkröte. Das soll mit einer 155 m2 großen Fläche Verkehrsbegleitgrün ausgeglichen werden. Bei weitem nicht ausreichend! Entsprechende Hinweise im B-Plan auf Maßnahmen sind zwar löblich, ändern aber nichts am Verlust.

FAZIT

Klimaschutz sollte unser aller Thema aus Verantwortung für die nächsten Generationen sein! Um das gemeinsame Ziel bis 2045 klimaneutral zu werden, zu erreichen!

Wir GRÜNE hatten die Hoffnung, dass wesentliche Empfehlungen aus dem Energiekonzept in den B-Plan einfließen und ein nachhaltiges Baugebiet entwickelt wird.

Diese Chance wird leider vertan!

Weder Klimaschutz, verantwortungsvoller Umgang mit der wertvolle Ressource Boden noch der Artenschutz sind ausreichend berücksichtigt.

Aus diesen Gründen können wir GRÜNE dieser Planung nicht zustimmen und lehnen sie ab.

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